Studie:

Mit Daten Staat machen. Zum datenbasierten Regieren in den deutschen Bundesländern.

Fax-Geräte, Aktenberge und Umlaufmappen – damit verbinden viele den analogen Status Quo der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Der enorme Digitalisierungsrückstand wird jährlich vom Normenkontrollrat der Bundesregierung scharf kritisiert. Landesbehörden steuern häufig noch „im Blindflug“. Nach wie vor gibt es in vielen Bereichen keine umfassende und vor allem tagesaktuelle Datengrundlage. Daten liegen zumeist dezentral in Silostrukturen vor und werden manuell mit hohem Aufwand verarbeitet.

Excel-Tabellen und Silostrukturen dominieren Datenmanagement in Landesbehörden

Dies gilt für die meisten Ressorts und Landesverwaltungen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt unsere Studie „Mit Daten Staat machen. Zum datenbasierten Regieren in den deutschen Bundesländern“ mit dem Centre for Digital Governance der Hertie School in Berlin, für die wir über 100 Abteilungs- und Referatsleiter:innen in Landesbehörden bundesweit quantitativ und qualitativ befragt haben.

Prof. Dr. Gerhard Hammerschmid, Leiter des Centre for Digital Governance der Hertie School.

„Daten spielen bei der Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung eine zentrale Rolle. Unser Ziel war es, den Status Quo der Datennutzung in den Landesverwaltungen zu erheben. Und die Ergebnisse zeigen klar, dass Excel-Tabellen, fehlende Standards und mangelnder Überblick über Datenbestände eine große Herausforderung für die Führungskräfte darstellen.“

Prof. Dr. Gerhard Hammerschmid, Leiter des Centre for Digital Governance der Hertie School.

Etwa 99% der Referatsleiter:innen nutzen Tabellenkalkulationsprogramme, jedoch nur zwei Prozent setzen moderne Datenplattformen ein.

Faruk Tuncer, Gründer und CEO von Polyteia

„Dies ist nur ein Symptom. Es ist keine flächendeckende technische Infrastruktur vorhanden, weil Führungskräfte in den Landesbehörden zu wenig in den Aufbau moderner Technologien, die Etablierung und Einhaltung von Datenstandards investieren und nicht zielführende Top-Down Ansätze für Veränderungsprozesse fahren.“

Faruk Tuncer, Gründer und CEO von Polyteia

Konkrete Lösungsansätze für Datennutzung auf Landesebene

Die Autor:innen schlagen als Lösungsansätze unter anderem vor, dass technische Tools stärker auf Low-Code/No-Code Ansätze entlang der existierenden Dateninfrastruktur und -kompetenz setzen sollen. Data Stewards sollen in den Abteilungen und Referaten mit einem Bottom-up Ansatz, Überblick über Datenbestände schaffen. Zudem könnte man Datenqualität und -zugang deutlich verbessern, wenn bei IT-Beschaffungen stärker auf die Durchsetzung von Standards und offen Schnittstellen gesetzt würde.