Polyteia und Hertie School stellen neue Studie vor

Für die Studie wurden über 100 Abteilungs- und Referatsleiter:innen in Landesbehörden bundesweit quantitativ und qualitativ befragt.



Excel-Tabellen, überholte Fachverfahren und fehlende Standards – bei der Nutzung digitaler Daten stehen die Landesverwaltungen in Deutschland noch am Anfang. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie „Mit Daten Staat machen. Zum datenbasierten Regieren in den deutschen Bundesländern“ des Centre for Digital Governance der Hertie School in Berlin und des GovTech-Unternehmens Polyteia. Für die Studie wurden über 100 Abteilungs- und Referatsleiter:innen in Landesbehörden bundesweit quantitativ und qualitativ befragt.

Berlin, 31. Mai 2022 – Fax-Geräte, Aktenberge und Umlaufmappen – damit verbinden viele den analogen Status Quo der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Der erhebliche Digitalisierungsrückstand wird jährlich vom Normenkontrollrat der Bundesregierung scharf kritisiert.

Durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 standen Landesbehörden jüngst erneut vor der enormen Aufgabe, innerhalb kürzester Zeit hunderttausende Schutzsuchende aufzunehmen, unterzubringen und die Integration zu begleiten. Es stellten sich Fragen, wie sich das Aufkommen an den Grenzen entwickelt oder wie hoch sich die Auslastung in privaten und staatlichen Unterkünften gestaltet. Wie schon 2015/2016 mussten Landesbehörden häufig „im Blindflug“ steuern. Nach wie vor gibt es keine umfassende und vor allem tagesaktuelle Datengrundlage. Daten liegen zumeist dezentral in Silostrukturen vor und werden manuell mit hohem Aufwand verarbeitet.

Dies gilt für die meisten Ressorts und Landesverwaltungen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis
kommt die neue Studie „Mit Daten Staat machen. Zum datenbasierten Regieren in den deutschen Bundesländern“ des Centre for Digital Governance der Hertie School in Berlin und des GovTech-Unternehmens Polyteia, die über 100 Abteilungs- und Referatsleiter:innen in Landesbehörden bundesweit quantitativ und qualitativ befragt haben.

„Daten spielen bei der Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung eine zentrale Rolle“, sagt Prof. Dr. Gerhard Hammerschmid, Leiter des Centre for Digital Governance der Hertie School. „Unser Ziel war es, den Status Quo der Datennutzung in den Landesverwaltungen zu erheben. Und die Ergebnisse zeigen klar, dass Excel-Tabellen, fehlende Standards und mangelnder Überblick über Datenbestände eine große Herausforderung für die Führungskräfte darstellen.“ Etwa 99% der Referatsleiter:innen nutzen Tabellenkalkulationsprogramme, jedoch nur zwei Prozent setzen moderne Datenplattformen ein. „Dies ist nur ein Symptom“, fügt Faruk Tuncer, Gründer und CEO von Polyteia hinzu. „Es ist keine flächendeckende technische Infrastruktur vorhanden, weil Führungskräfte in den Landesbehörden zu wenig in den Aufbau moderner Technologien, die Etablierung und Einhaltung von Datenstandards investieren und nicht zielführende Top-Down Ansätze für Veränderungsprozesse fahren.“

Die Autor:innen schlagen als Lösungsansätze unter anderem vor, dass technische Tools stärker auf Low-Code/No-Code Ansätze entlang der existierenden Dateninfrastruktur und -kompetenz setzen sollen. Data Stewards sollen in den Abteilungen und Referaten mit einem Bottom-up Ansatz, Überblick über Datenbestände schaffen. Zudem könnte man Datenqualität und -zugang deutlich verbessern, wenn bei IT-Beschaffungen stärker auf die Durchsetzung von Standards und offen Schnittstellen gesetzt würde.

„Die Führungsebene muss als Taktgeber fungieren“, betont auch Dr. Anne Deter, Abteilungsleiterin im Niedersächsischen Finanzministerium. Flächendeckende Dateninfrastrukturen und Standards werden zunehmend dominanter in den fachpolitischen Diskursen über die Digitalisierung der Verwaltung. Dies wird zum Beispiel mit Blick auf Flucht und Migration, den Ausbau der Erneuerbaren Energien oder Wohnungs- und Regionalpolitik relevanter werden. Der Ball liegt bei den Führungskräften, die die Landesverwaltung hin zu datenbasiertem Regieren transformieren müssen. Der Rückstand ist noch aufzuholen, wenn die Weichen heute richtig gestellt werden.

Link zur Studie: https://www.polyteia.de/studien/mitdatenstaatmachen

Polyteia GmbH
Faruk Tuncer
Geschäftsführer
Schlesische Straße 27, 10997 Berlin
tel +49 30 5490832-10
info@polyteia.de

Über Polyteia
Polyteia ist ein junges IT-Unternehmen mit Sitz in Berlin, das Kommunal-, Landes- und Bundesverwaltungen dabei unterstützt, auf Basis ihrer Daten besser zu entscheiden und zu steuern. Hierfür hat Polyteia eine Plattform entwickelt, die Daten automatisiert aus unterschiedlichen Quellverfahren zusammenführt, transformiert und aufbereitet. Angereichert mit Schnittstellen und fachspezifischen Auswertungen orientieren sich ihre Datenlösungen an zentralen Aufgaben wie etwa Demografie, Personalsteuerung, Kitabedarfs- oder Schulentwicklungsplanung.
www.polyteia.de

Über das Centre for Digital Governance
Das im Jahr 2019 gegründete Centre for Digital Governance ist eines der fünf Kompetenzzentren, mit denen sich die Hertie School gezielt der Forschung zu zentralen Governance-Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte widmet. Das Centre for Digital Governance erforscht den Einsatz digitaler Technologien in der öffentlichen Verwaltung und ihre Auswirkungen auf Politik, Regulierung und Gesellschaft. Das Centre verfolgt dabei einen europäischen Governance-Ansatz und trägt so zu der Entwicklung einer Good Governance und modernen Staatlichkeit im digitalen Zeitalter bei.
https://www.hertie-school.org/en/centre-for-digital-governance

Über die Hertie School
Die Hertie School in Berlin bereitet herausragend qualifizierte junge Menschen auf Führungsaufgaben im öffentlichen Bereich, in der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft vor. Sie bietet Masterstudiengänge, Executive Education und Doktorandenprogramme an. Als universitäre Hochschule mit interdisziplinärer und praxisorientierter Lehre, hochklassiger Forschung und einem weltweiten Netzwerk setzt sich die Hertie School auch in der öffentlichen Debatte für „Good Governance“ und moderne Staatlichkeit ein. Die Hertie School wurde 2004 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet und wird seither maßgeblich von ihr getragen. Sie ist staatlich anerkannt und vom Wissenschaftsrat akkreditiert.
https://www.hertie-school.org/